Wie viel kann man sparen? Reale Beispiele geben Aufschluss
Wenn es um Photovoltaik und Wärmepumpe geht, findet man online schnell Versprechen über Einsparungen von Hunderten oder Tausenden Euro pro Jahr. Die Realität ist differenzierter: Es gibt keinen Betrag, der für jedes Haus gleichermaßen gilt.
Die Einsparung hängt vom Energiebedarf des Gebäudes, vom bisherigen Heizsystem, von der Effizienz der Wärmepumpe, der Photovoltaikproduktion, dem Eigenverbrauch und dem Energiepreis ab.
Es gibt jedoch ein interessantes, von KlimaHaus dokumentiertes Praxisbeispiel aus Südtirol: ein Dreifamilienhaus aus den 1970er-Jahren in Meran mit rund 280 m², das zuvor mit einer Gasheizung und Heizkörpern beheizt wurde.
Durch eine energetische Sanierung des Gebäudes und der Anlagentechnik, einschließlich Dämmmaßnahmen und der Installation einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, konnte der jährliche Energieverbrauch um rund 16.000 kWh beziehungsweise etwa 50 % reduziert werden.
Wichtig: Das bedeutet nicht, dass allein durch den Einbau einer Wärmepumpe automatisch 50 % eingespart werden. Das Ergebnis ist auf eine ganzheitlich geplante energetische Sanierung zurückzuführen.
Und genau darum geht es: Zuerst wird der Energiebedarf des Gebäudes verstanden und reduziert, anschließend werden die Anlagen richtig dimensioniert.
Förderungen Südtirol 2026: bis zu 60 %, bei Wohnanlagen bis zu 80 %
Bei den Förderungen bietet Südtirol besonders interessante Möglichkeiten. Für 2026 hat die Autonome Provinz Bozen unter Einhaltung der vorgesehenen Voraussetzungen einen Beitrag in Höhe von 60 % der förderfähigen Kosten für die Installation von elektrischen Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaikanlagen vorgesehen.
Bei Wohnanlagen kann der Beitrag unter den von den Landesbestimmungen vorgesehenen Voraussetzungen bis zu 80 % der förderfähigen Kosten erreichen.
Das entscheidende Wort lautet jedoch „förderfähig“: Das bedeutet nicht, dass das Land automatisch 60 % oder 80 % der gesamten Kosten jeder Baustelle übernimmt. Art der Maßnahme, Antragsteller, technische Eigenschaften, Dokumentation, Höchstbeträge und weitere Voraussetzungen müssen für jedes einzelne Projekt geprüft werden.
Achtung: Landesförderungen müssen vor Baubeginn beantragt werden
Für Anträge im Rahmen der Landesförderung 2026 war der vorgesehene Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Mai 2026, und der Antrag musste vor Beginn der Arbeiten eingereicht werden.
Vor Beginn einer neuen Maßnahme muss daher immer geprüft werden, welche Förderungen zu diesem Zeitpunkt tatsächlich verfügbar und anwendbar sind. Förderungen, Voraussetzungen und Fristen können sich ändern.
Zuerst werden Förderungen und Voraussetzungen geprüft. Dann wird geplant. Erst danach beginnen die Arbeiten.
Und was ist mit den staatlichen Steuerabzügen?
Neben den Landesförderungen gibt es auch staatliche Steuerabzüge für bestimmte Bau- und Energieeffizienzmaßnahmen.
Für Ausgaben im Jahr 2026 sieht die staatliche Regelung grundsätzlich einen Steuerabzug von 36 % vor, der bei bestimmten Maßnahmen auf 50 % steigen kann, wenn die Ausgaben vom Eigentümer oder Inhaber eines dinglichen Rechts für die als Hauptwohnsitz genutzte Immobilie getragen werden und alle vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt sind.
Es ist jedoch wichtig, Landesbeiträge, Conto Termico und Steuerabzüge nicht automatisch miteinander zu kombinieren. Kombinierbarkeit, Höchstbeträge und Voraussetzungen müssen je nach Maßnahme und Situation des Begünstigten geprüft werden.
Haus aus den 60er- bis 90er-Jahren? Zuerst das Gebäude prüfen
Dies ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Aspekte für den Südtiroler Gebäudebestand. Viele bestehende Häuser können eine unzureichende Dämmung, veraltete Fenster, hohe Wärmeverluste oder für hohe Temperaturen ausgelegte Heizsysteme aufweisen.
Eine Wärmepumpe kann auch in bestehenden Gebäuden eingesetzt werden, aber das bedeutet nicht, dass es ausreicht, den alten Heizkessel einfach durch eine neue Anlage zu ersetzen.
Zunächst sollten folgende Punkte geprüft werden:
- Wärmebedarf und Wärmeverluste des Gebäudes;
- Dämmung von Wänden und Dach;
- Qualität der Fenster;
- bestehende Heizkörper, Gebläsekonvektoren oder Fußbodenheizung;
- erforderliche Vorlauftemperaturen;
- tatsächlich benötigte Leistung an den kältesten Tagen;
- verfügbare Dachfläche und deren Eignung für Photovoltaik.
Die richtige Dimensionierung ist entscheidend. Eine Wärmepumpe, die ohne genaue Analyse des Gebäudes ausgewählt wird, kann die erwartete wirtschaftliche und energetische Leistung verfehlen.
Südtiroler Bauernhöfe: großes Potenzial, aber keine Standardlösung
Ein Bauernhof in Südtirol erfordert eine noch individuellere Betrachtung. Einige Gebäude verfügen über interessante Dachflächen für Photovoltaik, können gleichzeitig jedoch historische Mauern, veraltete Anlagen, hohe Wärmeverluste, besondere architektonische Merkmale oder mögliche Auflagen aufweisen, die berücksichtigt werden müssen.
Auch das Klima kann sich zwischen Tallagen und höher gelegenen Ortschaften deutlich unterscheiden.
Deshalb gibt es keine universelle Lösung namens „Photovoltaik + Wärmepumpe“. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, zunächst die Dämmung des Gebäudes zu verbessern; in anderen Fällen kann es sinnvoll sein, Gebäudehülle, Heizsystem, Photovoltaik und einen möglichen Stromspeicher gemeinsam zu planen.
Der effizienteste Bauernhof ist nicht der mit der meisten Technik, sondern derjenige, bei dem jede Technologie passend zum tatsächlichen Gebäude ausgewählt und dimensioniert wurde.
Und bei Wohnanlagen? Enormes Potenzial für energetische Sanierungen
Besonders interessant wird das Thema bei bestehenden Wohnanlagen. Eurac Research hat den Einsatz von Wärmepumpensystemen in bestehenden Mehrfamilienhäusern gezielt untersucht, einschließlich der Integration einer erneuerbaren Energieerzeugung direkt vor Ort.
Laut dem von Eurac Research durchgeführten Monitoring des Klimaplans Südtirol waren bis 2024 insgesamt rund 12,4 % der Südtiroler Wohngebäude saniert.
Das bedeutet, dass noch ein sehr großer Teil des Gebäudebestands vorhanden ist, bei dem energetische Sanierung, Dämmung und Modernisierung der Anlagen in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle spielen können.
Bei einer Wohnanlage sollte man jedoch nicht nur auf die Wärmepumpe schauen. Eine umfassende Bewertung kann folgende Bereiche umfassen:
- Heizzentrale;
- Wärmeverteilung;
- Dämmung der Gebäudehülle;
- Photovoltaik auf den verfügbaren Flächen;
- möglicher Stromspeicher;
- Technikräume;
- Verwaltung der Gemeinschaftsflächen;
- Organisation und Phasen der Baustelle.
Photovoltaik, Wärmepumpe oder komplette Sanierung?
Die Antwort hängt vom jeweiligen Haus ab. Manchmal ist die sofortige Installation neuer Anlagen wirtschaftlich nicht die sinnvollste Entscheidung: Wenn ein Gebäude zu viel Wärme verliert, kann es sinnvoll sein, zuerst den Energiebedarf zu reduzieren und die Anlagen anschließend auf Grundlage des neuen Bedarfs zu dimensionieren.
Man sollte nicht bei der Technologie beginnen, sondern bei der Immobilie. Deshalb ist es immer empfehlenswert, zunächst einen Besichtigungstermin mit einem spezialisierten Unternehmen wie Idea Casa Plan durchzuführen: Der Techniker und der interne Ingenieur können den Zustand des Gebäudes analysieren, seine Eigenschaften bewerten und mögliche Schwachstellen erkennen. Erst danach kann eine wirklich gezielte Maßnahme geplant und können die passenden Lösungen ausgewählt werden, um das Potenzial der Immobilie bestmöglich auszuschöpfen.







